Camping – Wie es den Alltag verändert

Camping, vor allem Zelten, bedeutet naturnahes Reisen bei möglichst großer Flexibilität. Direkt am Meer, mit Blick auf die Wellen seinen Schlafplatz aufzuschlagen, ist ein Traum. Doch dabei ist man unweigerlich den Naturgewalten ausgesetzt. Wind und Wetter bekommen eine ganz andere Bedeutung. Inwiefern diese Art zu reisen, meinen Blick auf das Selbstverständliche im Alltag verändert hat, erfahrt ihr hier.

Jeder, der campen geht, wird es kennen. Das Gefühl, dass sich die Prioritäten verschieben. Das entsteht besonders beim Zelten. Zwar bin ich dabei in der letzten Zeit überwiegend mit dem Auto unterwegs und von daher mit den wichtigsten Dingen ausgestattet, also etwas großzügiger als beim Backpacken, aber elementare Dinge wie eine feste Toilette, Dusche, das obligatorische Waschbecken und eine relativ feste Bleibe – im Vergleich zu einem Wohnmobil oder Haus – fehlen. Unser Auto ist nicht zum Schlafen ausgelegt, noch nicht. Der Plan dafür ist schon zu Papier gebracht und die Umsetzung in Arbeit. Was aber nichts daran ändert, dass die Übernachtung im Zelt bei frischer Luft mit nichts wettzumachen ist.

Camping : Flexibilität als unschlagbarer Vorteil

Das alles ist gar nicht von großer Bedeutung, wenn es für längere Zeit auf einen Zeltplatz geht, den wir kennen oder der einfach gut ausgestattet ist. Bei unserem Roadtrip durch Norwegen wollten wir allerdings bis hoch in den Norden auf die Vesteralen und die drei Wochen, die wir Zeit hatten, sowie der Wunsch, die Mitternachtssonne zu sehen, haben es mit sich gebracht, dass wir häufiger umsetzen mussten. Ich habe noch nie zu den Menschen gehört, die eine Reise lange im Voraus planen. Ich lasse mir gerne offen wie lange ich an einem Ort bleiben möchte. Wo es schön ist, wird einfach mehr Zeit verbracht. Falls die Wahl des Platzes mal ganz daneben geht, bin ich genauso schnell wieder weg. Das ist ein riesengroßer Vorteil, an dieser Art zu reisen und ich kann es jedem nur empfehlen. Ihr seid euer eigener Herr und könnt frei entscheiden. Ich liebe das, beide Daumen hoch.

Nicht wissen, was einen erwartet

Zurück zu unserem Roadtrip: Die fehlende Recherche brachte es mit sich, dass die Suche nach dem nächsten Platz einem Lotteriespiel glich. So hatten wir eine App in Gebrauch, die uns leider mit der Routenführung an ganz falsche Orte geschickt hat. (Kleine Anti-Werbung: Camping.Info kann ich nicht empfehlen.) Das stellten wir spätestens fest, wenn die Straße in einer Sackgasse endete und die Blicke, der uns entgegenkommenden Anwohner immer irritierter wurden. Kann ja keiner ahnen, dass in Südschweden, irgendwo mitten auf dem Land dann doch keine Wiese mehr auftaucht, auf der wir das Zelt aufschlagen konnten.

Denn zum Schlafen erkundet haben wir auf unserer Reise durch das Land der Fjorde die verschiedensten Plätze: Von ausgestattetem Campingplatz mit Sanitäranlagen, über Schafswiese am Strand mit lediglich einem Toilettenhäuschen bis hin zum Wildcampen war alles dabei und ich möchte die Erfahrung in keinem Fall missen.

Wahrer Reichtum – Fließend warmes Wasser

Ein Großteil der Menschen dieser Welt hat Wasser aus der Leitung, das zudem noch sauber und warm ist, nicht zur Verfügung. Man kann behaupten, dass es auf einer schlichten Basis wahrer Reichtum ist. Vielleicht nicht in den Augen von all den Menschen, für die es vermeintlich selbstverständlich ist. Bewusst betrachtet sieht es anders aus.

Am Ende war es wirklich faszinierend, wie lange man für einen bestimmten Betrag duschen gehen kann. Das Highlight war kostenlos warmes Wasser und eine Seltenheit. In der Regel funktionieren die Duschen auf Norwegens Campingplätzen mit 5 oder 10 Kronen. Das sind umgerechnet etwa 50 Cent bis 1 Euro. Was man dafür bekommt ist sehr unterschiedlich. Von zwei bis maximal sechs Minuten mit zum Teil nur lauwarmen Wasser war alles dabei. Hand auf’s Herz: Wer stoppt zu Hause beim Duschen die Uhr? Ich wenigstens nicht auch wenn ich mich zu den Schnellduschern zähle. Dennoch macht schafft so ein Erlebnis ein anderes Verhältnis zum Wasser. Das ein oder andere Mal habe ich nicht eingesehen, die Münzen in den Automaten zu schmeißen und bin kalt duschen gegangen. Das war immer kostenlos und Wasser verschwendet man schon allein deswegen nicht, weil man schnell fertig sein mag.

Widrigkeiten beim Camping

Wolken am Berg und Meer
Ob diese Wolken die ersten Vorboten für das waren, was uns in der Nacht begegnen sollte?

In der zweiten Woche unserer Reise kam uns die Erkenntnis mit wie wenig der Mensch am Ende zufrieden ist. Das war allerdings nicht nur dem Duschen mit eiskaltem Fjordwasser geschuldet sondern auch dem Umstand, dass wir in der zweiten Nacht auf der Schafswiese ein Zelt verloren haben. Nein, wir haben es nicht nach dem Abbauen auf dem Platz liegen gelassen… so etwas würde uns nie passieren 😉 … viel schlimmer. Der Wetterbericht stellte sich schlichtweg als falsch heraus. Was eine kräftige Brise hatte sein sollen, entwickelte sich innerhalb von null Komma nichts in einen ernstzunehmenden Sturm. In den frühen Morgenstunden gab es einen lauten Knall. Da war das Alugestänge des Leichtzeltes im Sturm gebrochen und hatte sich durch die Zeltplane gebohrt. Meine zwei Mitreisenden hatten sich unter der Zeltplane auf dem Boden abgemalt, weil der Wind so heftig drückte. Dann wuselten alle schnell hinaus. Die Nacht hatte ein jähes Ende gefunden. In Windeseile – welch Wortspiel – hatten wir alle Sachen im Auto, um schnellstmöglich den Ort zu verlassen. Noch immer bin ich froh, dass dort kein einziger Baum stand. Da wären sonst einige umgekippt.

Der Morgen war zugegebenerweise nicht der Beste auf der Reise, wir waren alle ziemlich angeschlagen nach der Nacht und froh als wir nach einer langen Fahrt im nächsten ernstzunehmenden Ort ankamen. Nach einer halben Stunde Wartezeit machte um 10 Uhr das erste von zwei Cafés auf. Mehr Infrastruktur gab es dort nicht. Ich habe in meinem Leben noch nie eine so köstliche Zimtschnecke und so guten Kaffee getrunken. Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, für die man richtig dankbar sein kann.

Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können. – Marcus Aurelius

Die Erkenntnis: Dankbarkeit für den Alltag

Maslow hat es schon beschrieben mit der Bedürfnispyramide. Es bedarf in der Basis nicht viel, dass der Mensch in ein Stadium der grundlegenden Zufriedenheit kommt. Sind die körperlichen Bedürfnisse erfüllt, wozu ich an diesem Morgen das leckere Gebäck und Getränk und die spätere Dusche mit dem anschließenden Frischegefühl zähle, geht es dem Menschen gut. Mit dieser Erfahrung, kann ich nachvollziehen, warum ich Regen beim Campen längst nicht so schlimm finde wie starken Wind oder gar Sturm.

Mit einem Blick auf die natürlichen Bedürfnisse des Menschen, liegt das in der logischen Reihenfolge. Geht das Zelt kaputt, ist die Sicherheit in Gefahr. Ein paar klamme Sachen hingegen trocknen am nächsten Tag auch wieder. Das Zelt ist und bleibt kaputt.

Zwar ist es schade, dass unsere „Raupe“ – das war der liebevolle Name unseres grünen Tunnelzeltes – bei dem Sturm kaputt gegangen ist und kalt duschen, muss ich ebenfalls für eine längere Zeit nicht, aber es hat mich danach sehr zufrieden werden lassen. Das vermeintlich Selbstverständliche wie die Wohnung, das bequeme Bett, die Dusche, die saubere Toilette und der volle Kühlschrank inklusive Supermarkt in der Nähe, haben einen neuen Stellenwert bekommen. Sich durch eine Reise, auf der man bewusst auf den Komfort und Luxus von Glamping und Hotel verzichtet, einzulassen, kann das Bewusstsein für das Alltägliche aufleben lassen.

Reisen bedeutet auch immer, ein Stück die Komfortzone zu verlassen.

Was sind eure Erfahrungen auf Reisen und wie steht ihr zum Camping? Habt ihr schon Momente erlebt, in denen es euch ähnlich erging? Lasst mir gerne einen Kommentar da und teilt eure Erlebnisse. Euch hat der Artikel gefallen? Dann klickt doch auf den Like-Button, teilt ihn oder abonniert den Blog.