Eine Liebeserklärung an die Postkarte

Urlaubszeit – Der richtig Moment, um eine Postkarte zu schreiben! Persönliche Briefe und Karten aus den Ferien sind etwas Tolles. Man sollte meinen, dass in den letzten Wochen die ein oder andere Karte den Weg in den Briefkasten gefunden hat. Allerdings herrscht wenigsten in meinem Briefkasten gähnende Leere. Ab und zu verirrt sich eine Rechnung hinein, aber überwiegend quillt der Kasten aufgrund der kostenlosen, wöchentlichen Zeitung und der vielen Werbung über. Wann das letzte Mal eine Karte oder ein persönlicher Brief dabei war, ich kann mich nicht erinnern. Selbst zu besonderen Anlässen wie dem Geburtstag ist es ruhiger geworden als in früheren Jahren. Geht euch das auch so? Woran liegt das?

Zeitung im Briefkasten
Die Realität: Der Briefkasten quillt über, aber selten zu unserer Freude

Smartphones sind alltägliche Begleiter

Die Nutzung von PC, Tablet und Smartphone ist aus unserem täglichen Leben genauso wenig wegzudenken wie der morgendliche Kaffee. Ich ertappe mich selber dabei, dass das Handy mit ans Bett wandert und ich öfter online bin als mir manches mal lieb ist. Doch ist das nur mein persönliches Empfinden? Wenn ich mich auf der Straße und der Bahn umschaue, kann das nicht sein. Wir schreiben Mails, telefonieren, recherchieren und chatten. All dies tun wir zu einem großen Teil über unser Smartphone, immer und überall. Aus dem Alltag ist es nicht mehr wegzudenken. 

Durchschnittlich 2.617 Berührungen pro Tag

Über 90 Prozent der Deutschen besitzen ein Handy und unter Jugendlichen sind es sogar 94 Prozent (Quelle: Bitkom Research 2017). Wir sind ständig online. Die jungen Erwachsenen (14-29 Jährige) nutzen das Mobiltelefon bis zu vier Stunden täglich. Eine amerikanische Studie der Firma dscout hat 2016 untersucht wie oft wir pro Tag unser Handy berühren. Als Berührung wurde jedes Klicken, Tippen und über das Handy Wischen gezählt. Eine Zahl, die mich wirklich erschreckt hat. Die sogenannten Heavy-User, also die Menschen, die das Mobiltelefon kaum bis gar nicht aus der Hand legen, berühren ihr Gerät 5.427 Mal an einem Tag. Doch selbst der Rest kommt immer noch auf stattliche 2.617 Kontakte pro Tag. Und die Nutzungsdauer unterscheidet sich zwischen Amerikanern und Deutschen keineswegs. Beide Bevölkerungsgruppen sind bis zu vier Stunden mit dem Mobiltelefon in Interaktion.

Über die Hälfte der Urlauber sendet die Grüße per WhatsApp

Da wundert es kaum, dass auch im Urlaub zum mobilen Endgerät gegriffen wird. Im Jahr 2018 versendeten laut einer Studie (Quelle: Statista 2018) 51,4 Prozent aller Urlauber die Grüße per Kurznachrichtendienst WhatsApp. Natürlich, das ist praktisch und geht schnell. So ist es möglich das eigene geschossene Urlaubsbild mit einem kurzen Text an die Familie nach Hause zu senden, ein paar Worte dazu, fertig. Es ist nicht nötig, erst umständlich in einen Postkartenladen zu gehen und im schlimmsten Fall, wenn der Laden keine Briefmarken hat, auch noch die nächste Post aufzusuchen, um die guten Teile zu frankieren, um sie auf den Weg in die Heimat zu schicken. Es ist kein Stift nötig und man muss schon gar nicht von Hand schreiben. 

Textnachricht mit Foto
Ping, kurz gelesen und schnell vergessen.

Urlaub: Zeit der Entschleunigung

Sicherlich mag der ein oder andere einwenden, dass es Arbeit ist. Aber zu viel Arbeit? Es ist Urlaubszeit, eine Phase in der man sich in Ruhe die Zeit dafür nehmen kann. Fern vom Job und der täglichen Hektik, ist es möglich, sich in ein Café zu setzen, den Stift zu zücken und ein paar nette Worte zu schreiben. Für mich bedeutet Urlaub auch, mir bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, zu denen ich im turbulenten Alltag nicht komme. Die Seele baumeln lassen und darüber nachdenken, was mir wichtig ist. Was sagt mir das für den Alltag, wenn es mir bereits im Urlaub zu viel Mühe ist, eine Postkarte an die Liebsten zu schreiben. 

Natürlich kann man sagen, dass es am Ende darauf ankommt, dass jemand an einen denkt und es dabei egal sein könnte, auf welche Art und Weise er das tut. Aber Hand auf’s Herz: Wer freut sich nicht über eine selbstgeschrieben Postkarte aus dem Urlaub oder einen schönen Brief?! Insofern bin ich anderer Meinung. Es kommt sehr wohl auf die Manier an, in der man Dinge erledigt. Hat es nicht auch etwas mit Wertschätzung zu tun? Für sich selbst und die Menschen, die einem am Herzen liegen. Wenn ich in den Postkartenladen gehe und bewusst eine Karte mit einem schönen Motiv aussuche, nehme ich mir Zeit. Ebenso, wenn ich mir überlege, was ich auf die Karte drauf schreiben möchte.

Die Nachricht, die per WhatsApp auf dem Handy landet, ist eine von vielen und zwar von sehr vielen.

Nutzung des Messengerdienstes WhatsApp weltweit pro Tag (Quelle: Nutzungserhebung WhatsApp, 2017)

Auf den einzelnen User sind das 55 Nachrichten und 4,5 Fotos im Schnitt pro Tag (Nutzungsstatistik von WhatsApp aus 2017). Das klingt nach viel, wenn ich aber nachzähle, komme ich an aktiven Tagen meines Handys durchaus auf die gleiche oder weitaus mehr Nachrichten. Am Ende ist der digitale Gruß aus dem Urlaub eine kurze Message unter vielen und sehr schnell in Vergessenheit geraten. Und etwas Besonderes ist es allemal nicht.

Schreibt häufiger eine Postkarte

Wie wäre es mal wieder oldschool zu sein und dafür zu sorgen, dass der prozentuale Anteil der versendeten Postkarten wieder über der Digital-Quote liegt? Ihr macht dem Empfänger eine große Freude und die meisten, die ich kenne, hängen sich die Urlaubskarten auf. Der Langzeiteffekt der Freude ist im Vergleich enorm.

Postkarte
Freude – eine Postkarte zwischen der alltäglichen Post

Wie geht es euch? Habt ihr auch wie ich die Sehnsucht nach Dingen, die nicht digital sind? Ein bisschen weniger Informationsgesellschaft und Bling Bling auf dem Handy? Oder sind Postkarten spießig? Schreibt mir gerne eure Meinungen in die Kommentare. Euch hat mein Artikel gefallen, dann freue ich mich über Likes, Teilen oder ein Abonnement.