Schreiben macht glücklich und gesund

Schreiben

Gesunde Ernährung und Sport kennen wir alle. Aber was soll Schreiben mit unserer Widerstandsfähigkeit und vor allem unserem Glück zu tun haben?! Mal Hand auf’s Herz: Wann hast du das letzte Mal geschrieben? Also wirklich? Und ich meine damit nicht die paar Zeilen, die eben an den Chef oder Kunden per Mail rausgehen oder die Kurznachricht per Handy an Freund oder Freundin. Es geht nicht um das Schreiben im organisatorischen Sinn.

Ich gestehe, ich liebe es zu schreiben. Aber auch bei mir gab es Zeiten, in denen das mal anders war, wo ich nur am Computer oder Handy getippt habe. Bei mir gab es einen Schlüsselmoment, der mich wieder zu Zettel und Stift gebracht hat. Ich habe beim Aufräumen meinen alten Lamyfüller aus Schulzeiten wiedergefunden. Er fiel mir in die Hand und da war es wieder… dieses besondere Gefühl mit einem Füller zu schreiben. An diesem Punkt packte mich wieder die Freude am Schreiben. Aber warum genau soll nun schreiben glücklich machen?!

Es ist nachgewiesen, dass regelmäßiges Schreiben über die Dinge, die einen beschäftigen, dafür sorgen, dass die Gedanken im Kopf sortiert werden. Dem menschlichen Gehirn wird dadurch ermöglicht, dass einzelne Gedankenstränge und -fetzen zusammengefasst und leichter abgelegt werden können. Das ist in etwa so ein Unterscheid, als ob man all seine Kleidungsstücke, egal ob sauber oder dreckig, T-Shirt, Bluse oder Hose wüst durcheinander auf den Boden auf einen Haufen wirft oder alternativ alles sortiert, das Saubere glatt streicht und in einen Kleiderschrank legt. In welchem der beiden „Systeme“ wird man wohl am Morgen schneller sein Outfit gefunden haben? Es wird die aufgeräumte Variante sein und so haben die Frühstücksliebhaber unter uns noch Zeit für einen zweiten Kaffee sowie die Zeitung und die Langschläfer können einfach eine halbe Stunde länger im Bett bleiben. In jedem Fall haben wir einen Gewinn daraus gezogen.

Und das ist bei dem, was uns im Kopf herum geht, das Gleiche. Das Schreiben wäre vergleichbar mit dem Prozess, die Wäsche zu sortieren. Nur dass es hier eben die Gedanken gilt, zu sortieren und einzuordnen. Wo nicht mehr so viele Themen und Fetzen in einem Wust herumschwirren, ist Platz und vor allem Zeit für Anderes.

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.

Johann W. von Goethe

Auch die Wissenschaft hat sich mit dem Phänomen beschäftigt

Der Psychologe James W. Pennebaker hat sich in der 1980er Jahren intensiv mit der Wirkung des Schreibens auf die Psyche und Gesundheit von Menschen auseinander gesetzt und seine Untersuchungen brachten erstaunliche Erkenntnisse zu Tage. Er ließ den ersten Teil einer Gruppe jeden Tag 15 Minuten über Themen schreiben, die die Probanden sehr belasteten. Die Kontrollgruppe schrieb ebenfalls, aber nur über Oberflächliches. Das Ergebnis war beeindruckend. Die tiefgründigen Schreiber waren zwar direkt nach dem Verfassen der Texte sichtlich mitgenommener als die andere Gruppe, allerdings wurden sie in den nachfolgenden sechs Monaten wesentlich seltener krank oder mussten zum Arzt.

Auch wenn ich tatsächlich am liebsten mit meinem Füller und auf Papier schreibe, so will ich hier explizit erwähnen, dass es keinen Unterschied macht, ob man mit Zettel und Stift oder am Computer schreibt. Sogar das Aufsprechen der eigenen Gedanken auf einem Tonbandgerät hat den gleichen guten Effekt. Was viel wichtiger als das Medium ist, ist die Methodik. Besonders in Erzählstrukturen verpackte Gedanken, die mehrfach die Perspektive wechseln, also „ich“, „er/sie“ oder auch „wir“ enthalten, helfen das Chaos im Kopf zu strukturieren.

Präventives Schreiben für die Gesundheit

Nach Pennebaker haben sich auch noch andere Wissenschaftler in unterschiedlichen Studien mit dem Thema Schreiben und dessen Wirkung auf die Gesundheit beschäftigt. Das sogenannte expressive Schreiben stärkt nachweislich das Immunsystem, hilft bei Erkrankungen oder gar bei Depressionen.

Aber es muss gar nicht so weit kommen, dass eine Krankheit zum Vorschein tritt:

Wie wäre es, einfach so mal wieder zu schreiben und den Kopf dabei frei zu bekommen? Ob daheim bei schönem Wetter im Garten oder auf dem Balkon, im Park unter Leuten oder in der Winterzeit im Lieblingscafé um die Ecke oder
daheim am Kamin? Es gibt viele schöne Orte, wo man dem nachgehen kann und mit schönem Schreibzeug macht es doppelt viel Spaß wie ich finde… Einfach mal im nächsten Schreibwarengeschäft den Lieblingsstift entdecken und eine schöne Kladde und los geht’s. Wie gesagt… ich liebe meinen Füller und schreibe am liebsten in den Büchern von Paperblanks.

Ich freue mich auf eure Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema.

Eure Svenja