Unterwegs durch Argentinien

Während der drei Monate, die ich in Argentinien unterwegs gewesen bin, habe ich mir vorgenommen, möglichst nachhaltig unterwegs zu sein. Welche Möglichkeiten es gibt, dass Autofahren in Argentinien ein wahres Abenteuer ist und warum der Verzicht auf das Flugzeug nicht immer funktioniert, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die Größe des Landes ist eine Herausforderung

Argentinien gehört mit einer Länge von 3.694 Kilometer und einer maximalen Breite von 1.423 Kilometern zu den flächenmäßig größten Ländern der Welt. Mit seinen knapp 2,8 Millionen Quadratkilometern liegt es auf dem achten Platz. In Südamerika ist nur Brasilien größer, wobei sich Chile von Norden nach Süden über eine beachtliche Länge von 4.200 Kilometern ausdehnt, was auch dort das Reisen zu einer Herausforderung machen kann.

Unterwegs durch Argentinien: Flugzeug, Bus, Zug und Auto

Daher nutzen sehr viele Menschen das Flugzeug. Es ist einfach schneller. Leider sind die Tickets oft genauso teuer und manchmal sogar günstiger als für den Bus. Unter den Aspekten der Nachhaltigkeit ist das eine Katastrophe. Es führt dazu, dass mehr Menschen das Flugzeug nutzen.

1. Per Bus

Blick aus dem Bus
Blick aus dem Bus

Als Alternative zum Flugzeug gibt es zahlreiche operierende Busunternehmen. Zu den bekannten gehören zum Beispiel CATA* und Andesmar*. Auf unterschiedlichen Webseiten kannst du nachschauen, welche Strecken bedient werden. Eine davon ist das Vergleichsportal Rome2Rio* oder Checkmybus*. Allerdings hab dabei im Hinterkopf, dass in Südamerika nicht alles im Internet zu finden ist. Manchmal gibt es Verbindungen zwischen Städten, die du auf keiner Seite im Internet findest. Frag daher im Zweifel am örtlichen Busterminal nach, wo alle Busunternehmen ihre Tickets verkaufen und die Mitarbeiter gerne Auskunft geben.

Altmodisch unterwegs: Busfahren mit ausgedrucktem Ticket

Was außerdem wichtig zu wissen ist, dass du im Zweifelsfall immer mit einem auf Papier ausgedruckten Ticket unterwegs bist. Solltest du eine Landesgrenze überqueren, ist es in jedem Fall verpflichtet, egal welches Unternehmen du wählst. Ansonsten kommt es auf den Anbieter an. Es steht bei der Online-Buchung dabei. Willst du auf Nummer sicher gehen, druck dir das Ticket aus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich fast nicht nach Cordobá hätte fahren können, weil sich der Busfahrer geweigert hat, uns mit dem digitalen Ticket auf dem Handy mitzunehmen. In allerletzter Sekunde haben wir es geschafft, das Ticket im Terminal auszudrucken. Der Bus hatte schon die Türen geschlossen und rollte aus der Parklücke. Den Stress kannst du dir mit einem Papierticket von vornherein ersparen.

Die Sitze: Semi-Cama und Cama

Grundsätzlich ist das Reisen per Bus sehr angenehm, weil die Ausstattung der Busse anders ist. Es gibt zwei verschiedene Varianten von Sitzen. Eine nennt sich Semi-Cama. Es ist ein Sitz, wo man Rückenlehne und Fußlehne ausklappen kann und es schon recht bequem ist. Es ist die günstigere Variante und in der Regel, in der oberen Etage des Busses zu finden. Außerdem gibt es die Option Cama. Dies ist ein Sitz, den man vergleichbar mit der Business-Class im Flugzeug wie eine Art Bett zurückklappen kann und das Schlafen ist je nach Unternehmen noch entspannter möglich. Allerdings ist diese Kategorie auch teuer und nach meiner Erfahrung auf meinem Weg von Argentinien nach Chile nicht so lohnenswert, dass es den höheren Preis rechtfertig. Ruhiger ist es aber unten auf jeden Fall.

2. Per Auto

Eine weitere Möglichkeit ist es, mit dem Auto unterwegs zu sein. Aufgrund der weiten Strecken ist es empfehlenswert, mindestens mit zwei Fahrern unterwegs zu sein, damit ihr euch abwechseln könnt. Wenn man rechtzeitig aus Deutschland bucht, gibt es günstige Angebote für Mietwagen. Wir haben über Localiza* gebucht und gute Erfahrungen gemacht. Wir haben das Auto in Buenos Aires abgeholt und dort auch wieder abgegeben. Dadurch, dass es derselbe Ort war, war es günstiger. Es gibt aber die Möglichkeit, verschiedene Städte für Abholung und Abgabe zu wählen und sogar über die Grenze nach Chile zu fahren. Der Sprit in Argentinien war zum Zeitpunkt unserer Reise (März und April 2019) recht erschwinglich. Der Liter Super lag bei ungefähr 43 Pesos.

Wichtig zu wissen: Mit Licht unterwegs und Kontrollen auf der Straße

Wenn du dich für die Reise per Auto entscheidest, gibt es ein paar wichtige Dinge, die du beachten solltest. Zum einen ist es verpflichtend, immer, wirklich immer mit Licht zu fahren. Wir haben es zwei Mal vergessen und wurden freundlich von einem Polizeibeamten darauf aufmerksam gemacht, das Licht anzuschalten. Von einer anderen Touristin habe ich erfahren, dass das einen teuren Strafzettel nach sich ziehen kann. In ihrem Fall waren es 2.000 Pesos. Außerdem solltest du immer einen gültigen Führerschein und die Papiere des Autos mit dir führen. Ein internationaler Führerschein war nicht notwendig. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sich vor der Reise bei der zuständigen Führerscheinstelle einen solchen ausstellen. Falls du viel reist, lohnt es sich in jedem Fall. Außerdem sollte im Auto eine Warnweste, ein Verbandskasten und ein Warndreieck sein. Ansonsten kann es sein, dass du einen Strafzettel bekommst.

Was wir aus Deutschland auch nicht kennen, sind Kontrollen bei denen der zuständige Polizeibeamte einen Blick in den Kofferraum wirft und danach fragt, ob Früchte mitgeführt werden. In einigen Provinzen des Landes werden Früchte angebaut, die in den letzten Jahren von gewissen Schädlingen befallen worden sind. Um dies zu vermeiden, wird der Verkehr kontrolliert und die Autos bei Verdacht auf Befall in entsprechenden Anlagen desinfiziert. Der sichere Weg ist, kein Obst und Gemüse mitzuführen. Mit Bananen und Tomaten gab es keine Probleme.

Vorteile von Bus und Auto

Sowohl per Bus als auch mit dem Auto unterwegs zu sein, hat den unschlagbaren Vorteil, dass du viel von der Landschaft zu sehen bekommst. Während du von einem Ort zum anderen reist, bekommst du je nach Region das Sightseeing direkt dazu. Wir haben vor allem mit dem Auto sehr viel erleben dürfen. Es kreuzten Guanacos, ein Strauß (kein Scherz), Alpakas, Esel, Wasserschweine, Füchse und jede Menge Vögel unseren Weg. Auch der Blick auf die Anden in den Provinzen Jujuy, Salta und Mendoza werden wir sicher nicht mehr vergessen. Ein großer Vorteil des Autos ist die Flexibilität. Du kannst jederzeit anhalten und so viel Zeit an einem schönen Ort verbringen wie du möchtest.

Alpaka
Ein Alpaka am Wegesrand während einer Autofahrt

Nachteile des Autos

Neben dem Umstand, dass in den Provinzen des Inlandes wie zum Beispiel Chaco oder San Louis die Landschaft nicht besonders aufregend ist und wir uns bei der Reise schon bei dem ein oder anderen Kilometer gefragt haben, warum wir die Strapazen auf uns nehmen, gibt es noch einen weiteren Punkt, den es zu bedenken gibt.

Schlagloch
20 Zentimeter tiefe Schlaglöcher auf der RN 16

Die Straßen in Argentinien sind zum Teil in einem katastrophalen Zustand. Zum einen gibt es Teile, die einfach nur aus Schotter bestehen (zum Beispiel RN 40) und daher eine Maximalgeschwindigkeit von 30 bis 40 Kilometern pro Stunde zulassen. Auf der Ruta National 16 in den Provinzen Chaco und Corrientes hatten wir so tiefe Schlaglöcher, dass wir nur mit Schrittgeschwindigkeit voran gekommen sind. Zum Glück hatten wir uns am Abend zuvor dazu entschlossen, anzuhalten und im Auto zu schlafen, sodass wir die Strecke bei Tageslicht gefahren sind. Bei Nacht hätten wir sicher einen Unfall gehabt, mit nicht vorhersehbaren Folgen. In den argentinischen Nachrichten erfuhren wir später, dass es auf der Ruta National 7 im April 2019 innerhalb von drei Wochen 17 Tote aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse gab.

3. Per Flugzeug

Nachhaltig reisen und fliegen, passt nicht zusammen und dennoch bin ich manchmal darauf angewiesen, allein um ein Land wie Argentinien von Europa aus zu erreichen. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, ist es mein Ziel möglichst selten, in den Flieger zu steigen. Daher habe ich mich dagegen entschieden zwischen meiner Reise nach Argentinien und Costa Rica nach Deutschland zurückzukehren, auch wenn es finanziell keinen Unterschied gemacht hätte. Für die Umwelt ist es besser. Wie so oft bei dem Thema Nachhaltigkeit ist ein Perfekt nicht möglich.

Manchmal gibt es Situationen, in denen es sich nicht vermeiden lässt, aufgrund der Zeitersparnis über lange Distanzen, das Flugzeug zu nutzen. Da ich mit einem argentinischen Freund unterwegs war, der sehr viel weniger Urlaub zur Verfügung hat, haben wir auf dem Hinweg den Bus und zurück das Flugzeug genutzt. So konnten wir einen Kompromiss eingehen. Auch Kolumbien werde ich per Flugzeug verlassen, weil mir mehrere Einheimische davon abgeraten haben, per Boot die Grenze zu passieren. Safty first.

Wenn du deine Reise planst, schau, ob es nachhaltigere Alternativen gibt und nutze das Flugzeug nur als allerletzte Option.

Die Bilanz

Landschaft Provinz Rio Negro
Unschlagbare Aussicht aus dem Bus in Rio Negro

Knapp 6.00 Kilometer habe ich mit dem Bus und genauso viele mit dem Auto zurückgelegt. In zwei Situationen in Argentinien waren Flugreisen unausweichlich. Bei aller Nachhaltigkeit ist es wichtig, dass man das große Ganze nicht aus den Augen verliert. Nachhaltigkeit ist ein sehr wichtiger Aspekt, aber nicht um den Preis der Sicherheit.

*Die Nennung der erwähnten Unternehmen erfolgt lediglich aufgrund persönlicher Erfahrungen. Ich habe dafür keine Leistungen erhalten.

Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit beim Reisen? Ist das ein Thema für dich und wie realisierst du das? Teile gerne deine Erfahrungen mit mir in den Kommentaren. Dir hat mein Artikel und die Inspirationen gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn teilst, likest oder meinen Blog abonnierst.

Comments (2)

Südamerika ist noch auf meiner to do Liste! Danke für deine Infos und Eindrücke

Svenja Vierth

Lieber Urban, vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich freue mich, wenn die Infos interessant und hilfreich sind.

Viele Grüße,
Svenja

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