Exkursion ins Nordmeer – Walsafari in Norwegen

Pottwale oder Orcas in freier Wildbahn beobachten: Am nördlichsten Punkt der Vesterålen in Norwegen ist ein guter Ausgangspunkt für eine Safari. Mit einem Speedboot, in einer kleinen Gruppe ging es hinaus auf’s Meer. Wir haben sie gesichtet, 50 Tonnen schwer und über 20 Meter lang. Was denkt ihr haben wir gesehen? Das Titelbild verrät schon ein wenig.

Andenes: Bizarre Felsformationen ragen ins Wasser hinein

Die Stadt liegt am nördlichsten Ende der Inselkette Vesterålen und ist DER Ausgangspunkt für Safaris in Norwegen. Es liegt in der Region Nordland, etwa 400 Kilometer nördlich des Polarkreises. Von hier aus habt ihr die Möglichkeit, Wale und Orcas oder auf einer Vogelsafari Papageivögel zu sichten. Ich find den englischen Namen Puffin großartig – eine Mischung aus Muffin und Papagei?! In jedem Fall, gut zu merken. Aber Achtung: Es handelt sich grundsätzlich um unterschiedliche Touren, ob man Vögel oder Meeressäuger sehen möchte und die Jahreszeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, je nachdem, welche Tiere ihr sehen möchtet. Darauf gehe ich später noch einmal ein.

Wal-Sichtungsgarantie inklusive

Wir hatten uns für eine Walsafari entschieden. Es werden über den ganzen Tag verteilt, zwischen 9 und 20 Uhr, Touren angeboten, die jeweils um die 2,5 Stunden dauern. Die Wal-Sichtungsgarantie ist inklusive – ziemlich cool. Solltet ihr das Pech haben, keinen Wal zu Gesicht zu bekommen, wirbt der Veranstalter damit, dass ihr auf eine spätere Tour kostenlos noch einmal mitgenommen werdet. Ein fairer Deal, wie wir fanden, man muss es nur zeitlich bei der Tour einplanen, wobei gesagt sei, dass es  wirklich recht unwahrscheinlich ist, kein einziges Tier zu sehen. Der Veranstalter wäre sonst schneller Pleite als man Walsafari buchstabieren könnte.

walsafari-kleidung
Modisch nicht das Highlight, aber warm

Als Michelinmännchen in See stechen

Vor Ort angekommen, wurden wir mit Anzügen ausgerüstet, die gegen die Kälte wirken sollten. Es war mit den Anzügen später angenehm und wir hatten immerhin 18 Grad. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie eisig es im Winter sein mag. Wenn ihr euch in einer kälteren Zeit dazu entscheidet, sind Handschuhe, sehr warme Kleidung unter dem Anzug und eine Mütze unabdingbar. Noch die Schwimmweste angelegt und schon ging es rauf aufs Boot, was zu unserer Überraschung ein kleines Zodiak, sprich Schlauchboot, war. Mit dem ging es in Vollspeed für circa 30 Minuten rauf auf das offene Meer. Denn die großen Tiere treiben sich nur so weit draußen vor der Küste herum. 

Walsafari oder die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Zugegeben ein 20 Meter langer Pottwale ist keine Stecknadel, aber verglichen mit dem Ort, an dem man sucht, ist es wieder relativ und es gleicht doch eben genau dieser Suche. Um herauszufinden, ob sich in der Nähe des Bootes Wale befinden, stoppte der Guide nach einer Weile das Boot und sein Assistent hielt das Echolot ins Wasser. Damit lässt sich in Erfahrung bringen, ob Tiere in der Nähe sind oder nicht. Wir durften uns auch mal die Kopfhörer aufsetzen und in die tiefen des Ozeans lauschen. Pottwale geben keinen Gesang von sich wie das Delphine tun, man hört ein regelmäßiges Knacken, das ein bisschen damit zu vergleichen ist, als würde man nach einem Radiosender suchen. Es dauerte nicht lange und schon waren die ersten Wasserfontänen sichtbar, die beim Atmen der Wale entstehen. Wenn die Fontänen gesichtet werden, heißt es aber auch schnell sein. Taucht der Wal wieder ab, wird man ihn für ungefähr 30 Minuten nicht mehr sehen. So lange reicht die Zeit zwischen zwei Atemzügen. Das nenne ich mal einen gut ausgebildeten Apnoe-Taucher 😉

Backgroundwissen vom Guide

Wie uns der Guide im weiteren Verlauf der Tour erklärte, handelt es sich bei den Pottwalen, die wir sichten konnten, um die Bullen. Sie sind zu dieser Jahreszeit in den Gewässern vor Norwegens Küsten unterwegs, um stark und kräftig zu werden, damit sie später den Weibchen imponieren können und die größten Chancen auf Fortpflanzung haben. Die Männchen sind Einzelgänger während die Weibchen mit den Jungtieren in wärmeren Regionen der Erde unterwegs sind. Man kann sie zum Beispiel in der Nähe der Azoren antreffen.

Mit Glück könnt ihr auch zu dieser Jahreszeit (Juli) Orcas antreffen, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Wer gerne die Schwertwale sehen möchte, der sollte besser in den Monaten von Dezember bis Mai nach Norwegen kommen.

Wir haben aus einiger Entfernung zwei Bullen sichten können und hatten noch genügend Zeit, zu warten bis sie noch einmal auftauchen würden. Beim zweiten Mal waren wir näher dran und der Wal blieb recht lange zum Atmen an der Oberfläche. Das Imposanteste ist es, wenn die Giganten in die Tiefe verschwinden. In diesem Moment nehmen sie noch einmal einen tiefen Atemzug und ihre große Schwanzflosse erhebt sich aus dem Ozean, um dann mit Schwung in die Tiefe hinunterzugleiten. Ein andächtiger und besonderer Moment.

Pottwal Flosse
Der Gigant auf dem Weg in die Tiefe. Bis zu 1000 Meter können sie tauchen.

Fazit

Unser Fazit für die Walsafari: Es ist imposant, die Tiere in freier Wildbahn zu erleben und ich finde es super, dass die Veranstalter Rücksicht auf die Tiere nehmen und nicht zu nah heranfahren. Über eines solltet ihr euch im Klaren sein: Man sieht die Tiere aus einem gebührenden Abstand und das ist gut so, denn sie leben hier in ihrer natürlichen Umgebung und wir sind die Besucher ihres Wohnzimmers. Entsprechend sollten wir uns verhalten. Wer die Vorstellung hat, dass man „zum Streicheln“ nah dran kommt, wird enttäuscht werden. Mir ist zwar nicht bekannt, dass das für so große Wale überhaupt irgendwo auf der Welt möglich wäre, aber in jedem Fall sind Delphine, Orcas, Beluga und kleine Schwertwale von der Jagd und Leben in Gefangenschaft betroffen. So etwas möchte ich nicht unterstützen, nur damit ich sagen kann, dass ich ganz nah dran war und ich möchte euch dazu ermuntern, das auch nicht zu tun.

Wer mehr Informationen dazu lesen möchte, kann auf der Webseite von WDC (Whale and Dolphin Conservation) vorbei schauen. Hier erläutern sie die Probleme, die entstehen, wenn beispielsweise Delphine oder Schwertwale in Gefangenschaft gehalten werden.

Unter diesem Aspekt solltet ihr für euch die Entscheidung treffen, ob euch die Exkursion auf’s Meer den Ticketpreis wert ist. Für mich war es ein einmaliges Erlebnis, das ich genauso vom Preis-Leistungsverhältnis sehe. Es war schön und eben einmalig.

Habt ihr selber schon Erfahrungen mit solchen Ausflügen gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare und Meinungen. Euch  haben mein Artikel und die Inspirationen gefallen, dann freue ich mich wenn ihr ihn liket oder teilt.